Ein Philologe, der die Sprache internationaler Normen

Zuletzt aktualisiert:
4.2.2026
Hendrik Kockaert beim NBN-Dankeschön-Event 2025

Man würde es vielleicht nicht sofort von einem Linguisten erwarten, aber Prof. Dr. Hendrik J. Kockaert ist seit mehr als zwanzig Jahren eine feste Größe in internationalen Ausschüssen für Terminologie, Übersetzung und mehrsprachige Kommunikation. An der KU Leuven hat er sich ein beeindruckendes Fachwissen im Bereich der Normenentwicklung innerhalb der ISO und NBN angeeignet.

Im November 2025 wurde dieses außergewöhnliche Engagement mit dem NBN-Preis in der Kategorie „Non-Profit-Organisationen, Universitäten oder Behörden” ausgezeichnet. Der Preis ist eine Anerkennung für seinen langjährigen Beitrag zu Normen weltweit die professionelle Kommunikation, Übersetzungspraktiken und Terminologiearbeit prägen.

„Ich bin Dozent an der Fakultät für Geisteswissenschaften der KU Leuven, Campus Sint-Jacob in Antwerpen, und unterrichte dort französische Sprachwissenschaft, Terminologie, Finanzübersetzen und Übersetzungstechnologie. Ich koordiniere den Masterstudiengang Übersetzung und bin an TermNet beteiligt, dem internationalen Netzwerk für Terminologie, wo ich seit 2023 erneut zum ersten Vizepräsidenten gewählt wurde. Darüber hinaus bin ich bei ISO und NBN aktiv. Meine Forschung konzentriert sich aufNormen Übersetzungsqualität, Terminologie und Übersetzungstechnologie.“

Von Luxemburg nach Katar: eine internationale Reise

Seine Karriere nahm schon früh eine internationale Dimension an. Seine ersten Erfahrungen mit Terminologie sammelte er während eines Praktikums bei der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission in Luxemburg. Später folgten akademische und berufliche Erfahrungen in Eswatini und Südafrika, wo er einen Doktortitel in Phonologie und akustischer Phonetik erwarb.

Auch außerhalb Europas blieb er aktiv: Zwischen 2018 und 2021 arbeitete er in Katar als Professor und Direktor eines Masterstudiengangs für Übersetzen. Diese vielfältigen Erfahrungen prägten seine Sichtweise auf Sprache als etwas, das nicht nur kulturell, sondern auch gesellschaftlich und beruflich organisiert werden muss.

Der Schritt zur Normenentwicklung

Sein Engagement in der Normungsarbeit begann 2004, als er über Prof. Frieda Steurs gebeten wurde, sich an der Arbeit von NBN und ISO im Bereich Terminologie zu beteiligen. „Ich fühlte mich geehrt“, erzählt er. Seitdem ist er Mitglied von NBN und Vorsitzender von ISO TC 37 SC 1 WG 3, der Arbeitsgruppe, die sich mit Grundsätzen, Methoden und Vokabular befasst.

Die ersten Jahre bestanden aus intensiver Analyse und Übersetzung von Normen Niederländische – eine Aufgabe, die es ihm ermöglichte, den Normenrahmen von innen heraus zu verstehen. Er beschreibt es so: „Mein erster Schritt in der Normenentwicklung bestand darin, Normen zu studieren, zu analysieren und Normen Niederländische zu übersetzen. Das war nicht einfach, aber es war der richtige Weg, um die Normen kennenzulernen.“

Sein Engagement blieb auch innerhalb der ISO nicht unbemerkt. Zwischen 2005 und 2025 wurde Prof. Kockaert bei internationalen Arbeitssitzungen der ISO TC 37 mehrfach für sein langjähriges Engagement, seine Führungsrolle in Terminologieausschüssen und seinen Beitrag als Mitautor einer wichtigen ISO-Norm ausgezeichnet.

Terminologie als Grundlage von Normen

Die Arbeit von Prof. Kockaert dreht sich um einen entscheidenden, aber oft unterschätzten Aspekt der Normenentwicklung: die Terminologie. Er arbeitet unter anderem an der Norm ISO 704, die die Grundprinzipien der Terminologiearbeit festlegt. ISO 704 beschreibt, wie Begriffe und Termini systematisch miteinander in Zusammenhang stehen, und bildet die Grundlage für den Abschnitt „Begriffe und Definitionen” in allen anderenNormen.

Terminologie geht dabei weit über bloße Wörter hinaus. Auch Symbole und Farben sind Teil der terminologischen Arbeit. „Symbole fungieren als Bezeichnungen für Begriffe, genau wie Begriffe, jedoch visuell und sprachunabhängig“, erklärt er und verweist dabei auf Normen ISO 7010 zu Sicherheitssymbolen.

Normen auf Konsens

Wer glaubt, dass Normen oben auferlegt werden, irrt sich.Normen in einem intensiven Prozess der Beratung und internationalen Zusammenarbeit entwickelt. Prof. Kockaert betont, dass dabei Konsens das Kernprinzip ist: „Es wird selten abgestimmt: Jede vorgeschlagene Änderung muss von allen Mitgliedern unterstützt werden.“

Normen außerdem einen strengen Prozess vom Entwurf bis zur endgültigen Veröffentlichung und werden alle fünf Jahre systematisch überarbeitet. Dadurch können sie manchmal hinter den rasanten technologischen Entwicklungen zurückbleiben, basieren aber gleichzeitig auf breit abgestütztem Fachwissen.

Freiwilliges Engagement mit gesellschaftlicher Wirkung

Die Entwicklung von Normen erfordert viel Zeit und Engagement, erfolgt jedoch größtenteils auf freiwilliger Basis. „Ich werde dafür nicht bezahlt“, sagt Prof. Kockaert, „ich mache das freiwillig und werde dabei in gewissem Maße von der KU Leuven unterstützt.“ Gleichzeitig weist er auf das Spannungsfeld innerhalb der akademischen Welt hin:Normen anonym, wodurch Beiträge in klassischen Bewertungsrahmen wenig Sichtbarkeit erhalten.

Dennoch ist er weiterhin von deren Bedeutung überzeugt. Sein Ziel ist daher klar: „Mein Ziel ist es, deutlich zu machen, dassNormen Form von hochwertigen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Leistungen sind, damit die Rolle der Normenentwicklung in der akademischen Welt besser anerkannt wird.“

Eine Brückenfigur zwischen Sprache, Wissenschaft und Zukunft

Mit seinem Fachwissen befindet sich Prof. Kockaert an einem einzigartigen Schnittpunkt zwischen Sprache, Technologie und internationaler Zusammenarbeit. In einer Welt, in der künstliche Intelligenz und maschinelle Übersetzung immer mehr an Einfluss gewinnen, bleiben Normen , um Qualität, Zuverlässigkeit und Verantwortung zu gewährleisten.

Seine Arbeit zeigt, dass die Entwicklung von Normen nicht nur eine Aufgabe für Ingenieure oder Techniker ist, sondern auch für Sprachexperten, die mitbestimmen, wie wir weltweit klar, sicher und einheitlich kommunizieren.

Der NBN-Preis würdigt daher mehr als nur eine persönliche Laufbahn: Er unterstreicht die Bedeutung des akademischen Engagements in einem internationalen Normungsumfeld, das sich ständig weiterentwickelt.

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