
Beton und Betonprodukte scheinen auf den ersten Blick alltägliche Baumaterialien zu sein, doch hinter jeder Fertigwand, jedem Fundament oder jeder Konstruktion verbirgt sich eine komplexe Mischung aus Bindemitteln, Zuschlagstoffen, Bewehrung und strengen Qualitätsvorschriften. Normen bilden dabei das Bindeglied, das Sicherheit und Zuverlässigkeit garantiert.
Wer in Belgien über die Entwicklung von Normen, die Qualitätskontrolle und die Zertifizierung von Beton und Betonprodukten spricht, stößt schnell auf PROCERTUS . Die Organisation entstand 2024 aus dem Zusammenschluss von BE-CERT, PROBETON und OCBS, wodurch PROCERTUS zu einem integrierten Akteur wurde, der die gesamte Betonkette unterstützt.
Einer der Menschen, die dies jeden Tag mitgestalten, ist Laurent Mbumbia. Seine Überzeugung ist klar:Normen die Grundlage für die meisten unserer Zertifizierungen.“ Er betont jedoch auch, dass Normen über die reine Zertifizierung hinausgehen: „Was in den Normen , entspricht dem neuesten Stand der Technik und basiert auf Wissenschaft, Wissen, Forschung und langjähriger Praxiserfahrung.“
Dieser Grundgedanke prägt nicht nur sein Werk, sondern auch die Rolle, die PROCERTUS heute in der Branche einnimmt.

Wer eine Betonkonstruktion berechnet, muss sich auf Materialien verlassen können, deren Eigenschaften eindeutig festgelegt sind. Laurent erklärt es ganz einfach: „Wer eine Berechnung durchführt, muss sich darauf verlassen können, dass das gelieferte Material den Eigenschaften entspricht, mit denen er rechnet. Und wenn dies in einer Norm festgelegt ist, hat er einen soliden Bezugsrahmen.“
Seiner Meinung nach Normen eine Art gemeinsame Grammatik:Normen die universelle Sprache. Wenn wir sie alle verwenden, wissen wir genau, was wir meinen.“
In einer Branche, in der Fehler schwerwiegende Folgen haben können, ist das kein überflüssiger Luxus. Laurent verweist dabei auf aktuelle Vorfälle: „In den Berechnungsnormen sind Sicherheitsfaktoren vorgesehen, aber wenn die Materialeigenschaften nicht den erwarteten Leistungsanforderungen entsprechen, kann das fatale Folgen haben.“
Genau um solche Risiken zu vermeiden, engagiert sich PROCERTUS so intensiv in der Normenentwicklung. Die Anwendung dieser Normen, die durch die Zertifizierung überwacht wird, stellt dabei eine notwendige Ergänzung dar.
PROCERTUS leistet einen sehr aktiven Beitrag zur Entwicklung der Normen allen Branchen, in denen das Unternehmen mit Zertifizierungs- und Inspektionsaufgaben tätig ist. Für den Fertigteilsektor geht PROCERTUS jedoch noch einen Schritt weiter. PROCERTUS ist nämlich vom NBN als sektoraler Normungsoperator für Fertigteilbeton anerkannt. Das bedeutet, dass das Unternehmen im Namen des NBN mehrere Normungsausschüsse für Betonprodukte leitet und die Branche bei der Entwicklung und Aktualisierung von Normen fachlich begleitet.
Als Normungsgremium der Branche leitet PROCERTUS drei NBN-Ausschüsse: E177 (Elemente aus autoklaviertem Porenbeton und aus Beton mit Leichtzuschlagstoffen und offener Struktur), E178 (Pflasterprodukte) und E229 (vorgefertigte Betonprodukte). PROCERTUS unterstützt das NBN zudem durch die Entwicklung oder Anpassung nationaler Normen Betonrohre und -schächte.
In den letzten Jahren war PROCERTUS über seine Experten in den europäischen Normungsausschüssen aktiv und hat sich dort mit der Überarbeitung von Mandaten (für die Bauprodukteverordnung CPR 305/2011), der Ausarbeitung neuer Normungsanträge (im Rahmen der neuen CPR-2024/3110) sowie die Entwicklung von Normen Rahmen des CPR-Acquis-Prozesses.
In diesem Prozess stehen die ökologische Nachhaltigkeit von Bauwerken und die Umweltauswirkungen von Bauprodukten im Vordergrund und bilden einen wichtigen und dauerhaften Aspekt. Laurent ist überzeugt, dass die europäische Normung fortan ein strategischer Hebel ist, um die Branche auf die neuen Anforderungen der Bauproduktenverordnung (CPR) vorzubereiten, wobei PROCERTUS als aktives Bindeglied zwischen der Praxis und Europa fungiert.
Die Entwicklung von Normen ist also keine theoretische Übung. Es handelt sich um eine Arbeit, die sich unmittelbar auf die Nachhaltigkeit und Sicherheit von Beton und Betonprodukten in Belgien auswirkt.
Was PROCERTUS von anderen Akteuren unterscheidet, ist, dass die Organisation sowohl in der Praxis tätig ist als auch an der Ausarbeitung von Normen mitwirkt. Sie auditiert Hersteller, führt Inspektionen und Probenahmen durch und wertet Prüfergebnisse aus.
Diese Praxiserfahrung fließt dann wieder in die Normungsausschüsse ein. Laurent erklärt, warum das so wichtig ist: „Im Normungsausschuss erhalten wir einerseits die Ergebnisse der normativen Forschung. Diese bilden die Grundlage für die Entwicklung der Normenanforderungen, aber nicht, ohne sie mit den Erfahrungen aus der Praxis abzugleichen. Es ist wirklich ein ganzer Prozess. Wenn dort ein Glied fehlt, wird es schwieriger.“
Diese Wechselwirkung macht Normen nur technisch korrekt, sondern auch für Hersteller anwendbar und für Zertifizierungsstellen überprüfbar.
Gleichzeitig liefert die Arbeit in Ausschüssen wertvolle Erkenntnisse. „Als Experte sitzt man in der ersten Reihe. Man erhält alle relevanten Informationen und weiß, was untersucht wurde und wo die Stärken und Schwächen liegen“, sagt Laurent.
Für die Kunden von PROCERTUS ist das ein starkes Signal: Ihre Zertifizierungsstelle versteht nicht nur die Norm, sondern kennt auch den Hintergrund und die Gründe für jede Entscheidung.
Normen mit, in welche Richtung sich Innovationen in der Betonbranche entwickeln. Die Einführung von Beton mit geringerem CO₂-Fußabdruck, alternativen Bindemitteln und recycelten Zuschlagstoffen steht in engem Zusammenhang mit neuen Normen NBN B 15-001.
Laut Laurent hängt die Nachhaltigkeit von Beton unter anderem vom Zement ab: „Den größten Einfluss auf den CO₂-Fußabdruck von Beton hat der Portlandklinker im Zement. Dieser verursacht einen sehr hohen CO₂-Fußabdruck.“ Seiner Meinung nach sind innovative Zementsorten unerlässlich, um Fortschritte zu erzielen.
Deshalb verfolgt PROCERTUS die technologischen Entwicklungen aufmerksam und setzt diese auch in klare, anwendbare Normen um.
Die Entwicklung von Normen ist keine Einzelleistung. Laurent betont die Vielfalt der Stimmen in den Ausschüssen: „Manchmal stehen die Interessen im Widerspruch zueinander. Es gibt Hersteller, die sich dafür einsetzen, neue Produkte in die Normen , damit deren Verwendung weiter verbreitet werden kann. Und dann gibt es natürlich die Vertreter der Bauherren, sowohl aus dem privaten als auch aus dem öffentlichen Sektor, die in Bezug auf Qualität und Sicherheit keinerlei Risiko eingehen wollen.“
Dabei ist Konsens unerlässlich: „Bislang ist es uns immer gelungen, einen Konsens zu erzielen, bevor ein Normenentwurf zur öffentlichen Anhörung veröffentlicht wurde.“
PROCERTUS übernimmt dabei eine vermittelnde Rolle, indem es technisches Fachwissen mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Branche verbindet.
Die Herausforderungen für die Betonbranche sind groß: strengere Emissionsnormen, Kreislaufwirtschaft, neue Bindemittel, präzise Qualitätskontrolle und Digitalisierung der Prozesse. Doch bei all diesen Herausforderungen sind Normen Motor des Fortschritts.
PROCERTUS nimmt in diesem Umfeld eine einzigartige Position ein: praxisnah, fest in Normungsgremien verankert und mit einem umfassenden Überblick über die gesamte Betonwertschöpfungskette. Indem PROCERTUS sein Fachwissen in die Betonnormen der Zukunft einbringt, trägt das Unternehmen jeden Tag zur Sicherheit, Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit des belgischen Bausektors bei.
Möchten Sie wissen, wie auch Ihre Organisation zur Entwicklung neuer Normen zur Überarbeitung bestehender Normen beitragen kann?