
Warum sollte ein Unternehmen Zeit und Geld in die Normenentwicklung investieren? Und hat man als junger Fachmann einen Platz unter Experten mit zwanzig oder dreißig Jahren Erfahrung verdient? In einem Gespräch mit Renaat Mondelaers, Robotersicherheitsingenieur bei Movu Robotics, wird deutlich, dass Normenentwicklung weit mehr ist als nur eine technische oder administrative Angelegenheit. Es ist eine strategische Entscheidung für das Unternehmen, eine Lehrstätte für den Delegierten und ein Ort, an dem neue Technologie, Erfahrung und gesunder Menschenverstand zusammenkommen.

Movu Robotics ist ein junges, schnell wachsendes Unternehmen im Bereich der Lagerautomatisierung und eine Tochtergesellschaft der stow Group. Das Unternehmen baut vollautomatisierte Lager, in denen mobile Roboter Waren lagern und transportieren, gesteuert durch IT-Systeme wie WMS oder ERP. Diese Technologie entwickelt sich rasend schnell weiter, nicht zuletzt aufgrund des Wachstums des E-Commerce und neuer digitaler Anwendungen.
Laut Renaat sind Normen die Maschinensicherheit unverzichtbar.Normen ein praktisches Hilfsmittel, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen“, sagt er. „Sie setzen allgemeine Rechtsvorschriften in konkrete Richtlinien um. Offiziell sind sie unverbindlich, aber in der Praxis erwarten Kunden, dass Maschinen Normen gebaut Normen . Ohne diesen Rahmen kann man heute keine glaubwürdige Lösung mehr anbieten.“
Movu Robotics betrachtet die Mitwirkung an der Normenentwicklung als eine Investition. Durch die direkte Beteiligung weiß das Unternehmen, welche Normen , und kann sich rechtzeitig darauf einstellen. Noch wichtiger ist: Es kann inhaltlich mitbestimmen, wie neue Technologien im Hinblick auf die Sicherheit bewertet werden.
Durch die Mitwirkung an der Normenentwicklung kann man gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen. „Movu Robotics investiert in Sicherheit“, erklärt Renaat, „aber nicht alle Akteure tun dies im gleichen Maße. Normen dafür, dass Lösungen objektiv miteinander verglichen werden können und dass Sicherheit nicht zu einem Wettbewerbsnachteil wird.“
Darüber hinaus baut Movu Robotics Maschinen, für die Normen teilweise noch keine spezifischen Normen . Der Markt nimmt neue Technologien schnell an, aber die Kunden wissen nicht immer, wie sie diese richtig einschätzen sollen. Durch die Mitwirkung an der Ausarbeitung von Normen das Unternehmen Normen , Klarheit zu schaffen.
Das erfordert Engagement. „Die Entwicklung von Standards erfordert Zeit, Vorbereitung und Abstimmung“, räumt Renaat ein. „Das ist nicht meine Hauptaufgabe. Deshalb wäge ich ständig ab, wo mein Einsatz den größten Mehrwert bringt, und konzentriere mich nur auf das, was für die logistische Automatisierung und Systemintegration wichtig ist.“
Vom Ausschuss zur Arbeitsgruppe: So funktioniert es in der Praxis
Die Normenentwicklung findet auf verschiedenen Ebenen statt. Renaat ist Mitglied in ISO/TC 199 „Sicherheit von Maschinen“ und ISO/TC 299 zum Thema Robotik. Diese technischen Ausschüsse legen die Grundzüge fest, doch die inhaltliche Arbeit wird in Arbeitsgruppen geleistet.
„Innerhalb von TC 199 bin ich in zwei Arbeitsgruppen tätig. Die Arbeitsgruppe 3 arbeitet an der Norm ISO 14122, die sich mit festen Zugangsvorrichtungen zu Maschinen wie Treppen, Leitern und Arbeitsbühnen befasst. WG 11 befasst sich mit ISO 11161, der Norm für die Integration verschiedener Maschinen in ein System.“ Vor allem Letzteres ist für Movu Robotics interessant. Denn ein Lager umfasst nicht nur eine Maschine, sondern zehn, zwanzig oder sogar fünfzig Roboter, die zusammen als ein Ganzes funktionieren.
Die Mitwirkung an der Normenentwicklung ist auch eine Übung in der Konsensfindung. In den Arbeitsgruppen sitzen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen: Produktlieferanten, Maschinenbauer, Berater und Versicherer. Die Diskussionen drehen sich manchmal um Details, die für die einen entscheidend, für die anderen jedoch nebensächlich sind.
„Wir haben zum Beispiel darüber diskutiert, ab welcher Höhe eine Plattform mit einem Zaun oder einer Absturzsicherung abgesichert werden muss“, erzählt Renaat. „Wir gingen von einer Mindesthöhe von einem halben Meter aus. Andere wiesen darauf hin, dass man sich auch schon bei einem Sturz aus zehn Zentimetern Höhe verletzen kann. Aber wenn man alles ab dieser Höhe sichern würde, würde das unpraktikabel und extrem teuer werden. Aus der Perspektive des Maschinenbauers möchte man diese Grenze also höher ansetzen, um Kosten, Komplexität und Bauaufwand überschaubar zu halten.“
Renaat lernte daraus, dass es nicht darum geht, Recht zu haben, sondern die beste Lösung für alle zu finden. Das setzt voraus, dass man sich seine Kämpfe aussucht und erkennt, wann Nachgeben besser ist, als weiter darauf zu bestehen. Diese Einstellung lässt sich seiner Meinung nach auch auf jeden anderen Beruf übertragen.
Mit seinen 35 Jahren ist Renaat oft der Jüngste im Raum. Er sitzt mit Menschen zusammen, die schon seit Jahrzehnten aktiv sind und manchmal sogar nach ihrer Pensionierung noch einen Beitrag leisten. Dieser Altersunterschied ist spürbar. Die Erfahrung wird gelegentlich genutzt, um neue Ideen zu relativieren, vor allem wenn diese auf Technologien basieren, die noch nicht weit verbreitet sind.
Dennoch hat er die Erfahrung gemacht, dass junge Experten durchaus ihren Platz in der Normenentwicklung haben. Ihr Beitrag wird geschätzt, vorausgesetzt, er ist gut fundiert. Dabei spielt die Vorbereitung eine Schlüsselrolle. Die NBN-Expertenausbildung gab ihm Einblick in die Arbeitsweise von Normungsausschüssen und wie man seine Rolle darin wahrnimmt. Außerdem geht er nie unvorbereitet hin: Vor jeder Sitzung stimmt er seine Standpunkte mit Kollegen bei Movu Robotics ab.
Normungsgremien werden heute noch oft von erfahrenen Fachleuten dominiert. Das hat zwar Vorteile, birgt aber auch Risiken. Die Technologie entwickelt sich schneller denn je. Ohne den Beitrag von Menschen, die täglich mit neuen Anwendungen arbeiten, drohen Normen zu verlieren.
Deshalb hat Renaat eine klare Botschaft an junge Berufstätige: „Lass dich nicht abschrecken. Du brauchst keine dreißig Jahre Erfahrung, um relevante Beiträge zu leisten. Im Gegenteil: Dein frischer Blick und dein Gespür für neue Technologien sind mehr als willkommen.“
Was für Renaat als technischer Auftrag begann, entwickelte sich zu einer beruflichen Bereicherung. Er baute ein branchenübergreifendes Netzwerk auf und nutzt dieses in seiner Arbeit. Manchmal führt ihn eine Idee aus einer völlig anderen Branche zur Lösung eines Problems in der Robotik.
Diese gegenseitige Befruchtung ist eine direkte Folge der Normenentwicklung, bei der Fachleute aus verschiedenen Branchen gemeinsam lernen, gemeinsam nach Lösungen suchen und gemeinsam bessere Lösungen entwickeln. Für Unternehmen wie Movu Robotics ist die Beteiligung an der Normenentwicklung ein strategisches Instrument. Für junge Experten ist es eine einmalige Gelegenheit, die Zukunft von Technologie und Sicherheit mitzugestalten.
Möchtest du wie Renaat auch zur Entwicklung der neuesten Normen beitragen?